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02.05.2008, 14:58

Was ist an Gentoo so besonders verglichen mit Arch?

Hallo,

als ich heute bei einem Buchhändler war und ein Buch über Gentoo entdeckt habe, bin ich am überlegen, ob ich durch die Hilfe des Buches auf Gentoo wechseln sollte. Als ich mich was Linux angeht, erst neu am informieren war, wollte ich schon Gentoo installieren, aber dann hab ich mich nach einer Erfolgslosen versuch doch noch für eine andere Distribution entschieden.

Jetzt hab ich die Gelegenheit dazu und wollte von euch erstmal ein paar Fragen beantwortet bekommen, bevor ich mich dafür entscheide.

1. Was hat denn Gentoo, was ArchLinux nicht hat? Ich meine..Arch ist doch auch ein RollingRelease System, der immer aktuell gehalten wird und die Pakete nicht als ein binärpakete angeboten werden. Es passt sich genauso ans System an.

2. Was ist an Gentoo so besonders außer die kompiliervorgänge (sprich: Mehr Freiheit durch das selbstständiges kompilieren)?

3. Was sind die Vorteile für einen normalen Desktop benutzer, Gentoo statt Ubuntu oder Arch zu installieren, mitdem man normalerweise schneller zu ergebnissen kommen kann?



So, das waren schonmal meine Fragen, die mir eingefallen sind..und mich vom Gentoo abhalten. Hoffe, ihr könnt mir dabei weiterhelfen.. :|



MfG

Umut
"Gentoo installieren ist quasi wie ein gutes Essen kochen: Du brauchst die richtigen Zutaten und der Rest ergibt sich nach Rezept." - lilith2k3

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Umut« (03.05.2008, 08:13)


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02.05.2008, 15:16

Wilkommen im Forum

Schau dir mal dies an, besser könnt ich's dir auch nicht erklären:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gentoo_Linux

MfG
josef.95

3

02.05.2008, 16:47

Gentoo hat z.b eine um längen besser Dokumentation als Arch Linux. Hatte selber mal Arch zum testen drauf gehabt. Ist schon nicht schlecht. Die Vielfalt der Pakete ist aber bei Gentoo doch größer.

Sicher kannst du auch bei Arch die Pakete aus den Source bauen, dies ist aber bei weitem nicht so komfortabel wie bei Gentoo.

z.b. mit dem Globalen setzen der Use -kde -qt ... kannst du direkt sagen das kein Paket Module für KDE oder qt mitübersetzt.

Das bringt natürlich auch Geschwindigkeitsvorteile.

Alles in allem will ich nicht Arch mit Gentoo tauschen :-).

Viele Grüße
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02.05.2008, 16:48

Gentoo oder Arch - das ist hier die große Frage ;)

Zitat

1. Was hat denn Gentoo, was ArchLinux nicht hat?

Ein funktionierendes USE-Flag-System, wo Du im Vorfeld Konfigurationen festlegst die den Paketen als Richtschnur dienen, wenn sie gebaut werden.
Bei Arch erhälst Du fertig kompilierte Binärpakete.
Bei Gentoo werden diese Pakete vor Ort auf Deinem Rechner zusammengebaut.
Diese Möglichkeit bietet Arch zwar prinzipiell auch mit dem sog. Arch-Build-System, kurz: ABS.
Der Haken an der Sache ist, daß es ggf. zu Konflikten mit den installierten Paketen/Bibliotheken kommen kann -bspw. durch Versionskonflikte- (nicht zwangsläufig muss); und wenn Du Pakete eh lieber mit Deinen Konfigurationen versehen kompilieren willst, nutze lieber Gentoo. Die Gentoo-Philosophie auf Arch zu übertragen ist a) unsinnig und b) mit Umständen verbunden.

Zitat

Arch ist doch auch ein RollingRelease System,

Yes.

Zitat

Pakete nicht als ein binärpakete angeboten werden. Es passt sich genauso ans System an.

Jein.

Die Pakete aller Distributionen passen sich in das jeweilige System mit ein. Sonst machen die Maintainer einen schlechten Job. Insofern trifft das auf jede Distribution zu.

Aktuell sind beide: Gentoo (Portage) wie auch Arch (Repos) - wobei ich manchmal meine, daß Arch einen Tacken schneller mit den angebotenen Versionen ist (was allerdings kein Qualitätsmerkmal einer Distribution ist). Aktuell und stabil sind zwei Sachen die nicht immer vereinbar sind ;)

Der Unterschied zwischen Gentoo und Arch in Bezug auf das was Du mit "paßt sich ans System an" meinst, ist der, daß bei Gentoo Deine Anforderungen berücksichtigt werden und nicht die der Maintainer.
Du bestimmst letztlich wie die Pakete zugeschnitten sein sollen. "-kde" schneidet eben die KDE-Unterstützung raus.

Zitat

2. Was ist an Gentoo so besonders außer die kompiliervorgänge (sprich: Mehr Freiheit durch das selbstständiges kompilieren)?

Gute Frage. Nix, behaupte ich einfach stumpf.
Das übliche Tamtam mit "Gentoo ist schneller", "Arch ist schneller" spielt bei heutigen Systemen eine äußerst marginale Rolle.
Ein sekundärer Aspekt der für mich mitentscheidend ist:
Bei Gentoo ist die Auswahl an Paketen einfach größer (Portage+Overlays=Auswahl pur).
Das wird andererseits eben durch das angesprochene ABS kompensiert, wo man sich einfach schnell fehlende Pakete selbst bauen kann, bzw. durch das AUR, wo Nutzer selbstzusammengestellte Paketbauanleitungen (vgl. Ebuilds unter Gentoo) anbieten; dadurch läßt sich das wieder ausgleichen.
Warum also das für mich bessere System nicht nutzen als zu versuchen die Nachteile des anderen Systems zu kompensieren?

Zitat

3. Was sind die Vorteile für einen normalen Desktop benutzer, Gentoo statt Ubuntu oder Arch zu installieren, mitdem man normalerweise schneller zu ergebnissen kommen kann?

Zäumen wir das Pferd mal von hinten auf *g*
Also:
Ich nutze auf meinem "Uralt-Laptop" Arch-Linux (zuvor:Kubuntu).
Mein erstes Desktop-System war Kubuntu 6.10. Nach einigem umgucken, was es noch so gibt, bin ich zu Gentoo gekommen. Gentoo war für mich als Einsteiger ein Buch mit 7 Siegeln. Kubuntu läßt sich in 12 Minuten aufsetzten - funktioniert. Fertig!
Was mich an Kubuntu immer gestört hatte war, daß mit jedem kleinen Paket ein Rattenschwanz von Abhängigkeiten installiert worden ist, den ich nicht haben wollte. Das nächste, was mich gestört hatte, war die Debianphilosophie, innerhalb eines Release-Zyklus' lediglich Sicherheitspatches aber keine aktuelleren Pakete miteinzubinden: Backports sind zwar möglich (also neuere Pakete gegen die bestehenden Libs gelinkt) aber auf Dauer unbefriedigend. Was mich aktuell stört:
a) Dem Benutzer wird Compiz-Fusion zwangsweise vorgesetzt, was auch einen Haufen an Problemen mit sich bringt, die ohne Compiz nicht bestehen. Compiz ist schön und gut, aber in meinen Augen weder performant noch stabil. Und der Einsteiger wird mit Problemen konfrontiert, die er ohne nicht hätte.
b) Gibt es einigen Rummel seit Hardy (ich bin auch bei Ubuntuusers tätig und weiß wovon ich berichte *g*), daß das mitgelieferte Firefox-Paket nicht optimal läuft und diverse andere Geschichten. Und das bei einer als "Long Term Support" promoteten Version finde ich schwach - auch wenn's nach dem ersten Update-Zyklus wieder besser läuft.
Unter Suse, Debian, Mandriva hatte ich das gleiche dann in grün.
So hab ich dann zu Gentoo gewechselt. Ich habe keine Probleme mit Distributionsupgrades (weil es sowas im Prinzip nicht gibt), kann bestimmen, welche Pakete ich installieren will und welche Version ich haben will: MPlayer, ffmpeg, Gimp, Inkscape etc. nehme ich auch gern als "nicht stabil" gekennzeichnete (masked) Versionen (experimentelle Versionen bei Gentoo "hard masked" meide ich). Und für den guten Rest nehme ich die normalen "stabilen" Paketversionen. Gentoo läßt sich sehr gut als Mischsystem betreiben. Und Probleme sind eher lokaler Natur, e.g. das ein paar Pakete kollidieren hat man immer irgendwo, aber dafür zieht sich das nicht durch das ganze System. Änderungen werden auch nur partiell vorgenommen (beim update) und nicht global (distribution upgrade).

Als ich meinen Laptop bekam, hatte ich nicht vor, darauf Gentoo zu installieren. Warum? Weil sich der Aufwand nicht gelohnt hätte. Der Lappi kommt mit 384MB Ram und 2 GHz daher. Bis ich da Gentoo fertigkompiliert hätte, wäre mir zuviel Zeit ins Land gegangen. Ich entschied mich dann für Kubuntu (damals dann 7.04).
Nachdem ich dann letztes Jahr mehr und mehr von Arch gehört habe, hab ich mir das ganze mal in einer VirtualMachine (VMWare) angeguckt und war von der "Einfachheit" überzeugt.
Schneller kann man kaum ein System nach seinen Wünschen aufsetzen - evtl. noch Sabayon (eine Gentoospielart, die viele Binärpakete mitliefert, die aber auch Portage nutzen kann).
Schlau fand ich die Philosophie, alles systemrelevante über die rc.conf einstellen zu können. Da hat sich jemand Gedanken gemacht *g*
Die Philosophie von Arch ist Keep It Small and Simple (KISS). Und dementsprechend hab ich ein System für meinen Laptop, was mit knapp 541 Paketen auskommt. EIne Standardinstallation von K(u)buntu bringt es auf gut und gerne über 1000. Gentoo liegt ein wenig dazwischen, weil ich hier ein paar Sachen nutze, die ich auf dem Laptop nicht habe: 880 Pakete.
Und das für mich im nachhinein wichtigste Argument, Arch statt Kubuntu zu nutzen ist, daß KDE als KDEMod unter Arch performanter ist, als KDE unter Kubuntu (wobei gesagt werden sollte, daß Kubuntu als KDE-Distribution keinen guten ruf hat und einige der Mods bei UU eher SuSE als Kubuntu empfehlen würden).

In Kürze:
Pro Gentoo
· freie Hand bei der Systemkonfiguration
· große Paketauswahl
· Mischsysteme sind relativ einfach zu warten
· Exzellente Dokumentation

Kontra Gentoo
· lange Kompilierzeit
(· nicht immer aktuelle Pakete in Portage - Versionitis kann man zur Not auch über viele Overlays befriedigen )

Pro Arch
· Schnell aufzusetzen

Kontra Arch
· keine freie Hand bei der Paketkonfiguration, bzw. nur umständlich zu realisieren
· kleinere Paketauswahl (ABS udn AUR kompensieren das zum Teil)

Gleich:
· Rolling Release Systeme
· Easy im handling
· Anspruch bzw. Anforderungen an der Benutzer/Administrator

Gentoo=Arch+Krücken wenn Du so willst.
Wenn die genannten Vorteile für Gentoo für Dich nicht ausschlaggebend sind, dann ist Arch eine gute Wahl. Und letztlich ist es auch eine emotionale Entscheidung ;)

Nicht wertend gemeint:
Arch hat mehr den Charm eines "coole Jungs"-Linux während Gentoo eher "für den gesetzten Herrn mit gehobenen Ansprüchen" ist. Bildlich gesprochen.
Unix wurde nicht entwickelt, um seine Benutzer daran zu hindern, dumme Dinge zu tun, denn das würde diese auch davon abhalten, schlaue Dinge zu tun.“ – Doug Gwyn

5

02.05.2008, 16:55

Hallo lilith2k3,

OT:

darauf habe ich ja echt gewartet, das Du wieder eine super langen Text schreibst.

Ich super!!!

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02.05.2008, 17:06

Vielen Dank für die Blumen *ggg* (bzw. für die Laola)

Wenn's bei der Entscheidung hilft, mach ich sowas gerne ;)
Unix wurde nicht entwickelt, um seine Benutzer daran zu hindern, dumme Dinge zu tun, denn das würde diese auch davon abhalten, schlaue Dinge zu tun.“ – Doug Gwyn

7

02.05.2008, 17:36

Vielen Dank für deine ausführliche Hilfe lilith2k3!!

Ich denke mal, dass ich Gentoo eine chance geben werde.. nicht nur wegen die gennanten positiven Punkte, sondern auch, weil ich eher jemand bin, der Spaß am kompilieren hat und das "erfolgsgefühl" liebt. Arch gefällt mir wirklich gut, da hab ich nichts auszusetzen, nur nachdem ich alles fertig konfiguriert und die Programme, die ich brauche installiert habe, wird es mir mit der Zeit etwas langweilig und ich versuche immer neue sachen zu finden, das System zu verändern. So wie ich sehe hat Gentoo in dem Fall gute Herausforderungen für mich.

Morgen wird das Buch also gekauft ;)



Vielen Dank nochmal!

MfG
"Gentoo installieren ist quasi wie ein gutes Essen kochen: Du brauchst die richtigen Zutaten und der Rest ergibt sich nach Rezept." - lilith2k3

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02.05.2008, 17:45

Morgen wird das Buch also gekauft ;)


Ich denke das Bucht musst Du dir nicht unbedingt kaufen um Gentoo zu installieren.

Bei gentoo.org gibt es genügend Dokumentation (auch auf Deutsch) die so gut ist, das ein Buch zum installieren nicht notwendig ist und dann gibt es ja auch noch die www.gentoo-wiki.com Seiten. Auch mit Deutschen Anleitungen.

Viele Grüße
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